Intertool/Smart Automation/C4I 2018 in der Messe Wien: Die sieben größten Industrie-4.0-Irrtümer

30 Jan 2018

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 ©FH CAMPUS 02 / Peter Melbinger

Bildtext: DI Dr. Udo Traussnigg

WIEN/GRAZ (30. Jänner 2018). - Das Schlagwort „Industrie 4.0“ ist seit Jahren in aller Munde – und ein Ende des Trends ist nicht abzusehen. Trotz umfassender Information von Seiten der Hersteller und hoher Medienpräsenz haben sich im allgemeinen Gebrauch dennoch Missverständnisse eingeschlichen. Automatisierungsexperte DI Dr. Udo Traussnigg, Studiengangsleiter Automatisierungstechnik der FH CAMPUS 02 in Graz, nimmt Stellung zu den sieben größten Industrie-4.0-Irrtümern.

1. Industrie 4.0 ist nur ein Schlagwort von Marketingstrategen

Streng historisch betrachtet: Sowohl ja als auch nein. Denn ursprünglich wurde der Begriff von der Deutschen Bundesregierung als Schlagwort kreiert. „Industrie 4.0 hat aber sehr wohl Substanz, Hintergrund und Strategie aufzuweisen“, meint dazu Dr. Udo Traussnigg, „und geht damit weit übers reine Marketing hinaus.“ Was allerdings das aktuelle öffentliche Erscheinungsbild betrifft, könne man sich des Eindrucks manchmal nicht erwehren, dass es sich lediglich um ein Marketinginstrument handle. Traussnigg: „Mit Industrie 4.0 entstand ein neuer, unverbrauchter Begriff, der als Träger für die Medienarbeit dienen konnte und sich voll durchgesetzt hat. Und erst die so entstandene breite Aufmerksamkeit in Industrie, Öffentlichkeit und Politik hat den enormen Vorschub der dahinter stehenden Philosophie und Technologien ermöglicht.“ Industrie 4.0 ist also sehr wohl ein Marketingschlagwort – gleichzeitig aber viel mehr!

2. Industrie 4.0 und Digitalisierung haben nichts miteinander zu tun

„Im Zuge der intensiven Diskussion über das Thema Industrie 4.0 hat sich gezeigt, dass vieles, worüber gesprochen wurde, nicht nur die Industrie betraf“, erklärt Traussnigg. So wurde schließlich der Begriff Digitalisierung geprägt, der sich allgemeiner und damit viel breiter und auch abseits der produzierenden Industrie anwenden lässt. Industrie 4.0 und Digitalisierung gehen Hand in Hand.

3. Meine Mitarbeiter springen automatisch auf den Industrie 4.0-Zug auf

„Wenn das in Ihrem Unternehmen so ist: Herzliche Gratulation!“, kommentiert Traussnigg mit einem Augenzwinkern. Diese Unternehmen hätten es nämlich geschafft, Industrie 4.0 so gut in ihrer Strategie zu verankern, dass diese Philosophie tatsächlich gelebt wird. „Allen anderen Unternehmen, die die Hoffnung hegen, dass die Mitarbeiter auf den Zug aufspringen, ohne dass das Thema unternehmensstrategisch implementiert wurde, möchte ich hingegen prognostizieren: Das wird nicht passieren.“

4. Industrie 4.0 kostet mehr als es bringt

Unternehmen, die diese These unterschreiben würden, müssen sich fragen, ob sie Industrie 4.0 richtig umgesetzt haben. „Unterm Strich muss Industrie 4.0 auch einen Mehrwert bringen“, so Traussnigg. Dennoch gilt: Industrie 4.0 bringt aber nicht ganz von selbst mehr als es kostet. Es kommt immer darauf an, was man daraus macht. „Die Herausforderung ist, wie man es schafft, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und so neue Märkte und Kunden zu finden. Schließlich gehe es bei Industrie 4.0 nicht nur um Verbesserungen innerhalb der eigenen Produktion. Das wäre zu wenig weit gedacht!“

5. Mein Unternehmen ist zu klein für Industrie 4.0

„Eindeutig nein. Industrie 4.0 – und mit ihr die Digitalisierung – macht vor keinem Unternehmen und auch vor keiner Branche halt“, ist sich Traussnigg sicher. Dennoch besteht vielfach eine unterschiedliche Dynamik. „Manche Branchen setzen sich langsamer mit Industrie 4.0 auseinander, manche schneller. Das ändert aber nichts an der eingangs genannten Tatsache.“

6. Die Technologie hinter Industrie 4.0 ist noch nicht ausgereift

Laut Meinung des Automatisierungsexperten müsse hier differenziert werden, da es „die einzelne Technologie“ nicht gibt. Im Bereich der Kommunikationstechnologien bestehen - abhängig vom geografischen Standort innerhalb Österreichs - noch Defizite: „Speziell im ländlichen Bereich kann nicht immer auf schnellstes Breitband-Internet zurückgegriffen werden. Und das wiederum schränkt die Möglichkeiten ein, Industrie 4.0-Technologien vollumfänglich zu nutzen.“ Eine weitere oft auftretende Hürde sind sowohl horizontale als auch vertikale Schnittstellen vor allem innerhalb einer bestehenden Anlage, die es zu überwinden gilt. Steht jedoch eine gute Kommunikationsinfrastruktur zur Verfügung und können z.B. bei einem neu errichteten Produktionswerk Schnittstellenprobleme vermieden werden, können ausgereifte Technologien, die hinter Industrie 4.0 stehen, eingesetzt werden.

7. Industrie 4.0 endet an meinem Werkstor

Für Dr. Traussnigg ist auch hier die Perspektive von Interesse: „Auf welcher Seite des Werkstores stehe ich?“ Denn es gebe durchaus Unternehmen, die sich der Industrie 4.0-Philosophie etwa aus Sicherheitsbedenken bei weitem nicht vollinhaltlich anschließen. Für diese ist dann tatsächlich am Werkstor Schluss. Doch alle, die den Gedanken in vollem Umfang leben wollen, wissen: Industrie 4.0 beginnt eigentlich so richtig erst am Werkstor!

Mit Wissen die Nase vorn haben

Mit Irrtümern aufzuräumen ist die eine, Industrie 4.0 umzusetzen, allerdings eine noch größere Herausforderung, deren Mehrwert aber letztlich überwiegt. Und Wissen schafft den entscheidenden Vorsprung. Wie ist der aktuelle Stand der Produktionstechnologie? Welche Kommunikationstechniken bringen mein Unternehmen vorwärts? Wie vermeide ich Schnittstellenprobleme? Antworten auf diese und ähnliche Fragen liefert Messeveranstalter Reed Exhibitions Messe Wien mit der Smart Automation Austria (Fachmesse für industrielle Automatisierung), heuer erstmals ergänzt um die C4I – Connectivity for Industry als Plattform für die Digitalisierung der industriellen Wertschöpfungskette. Substanzielle Einblicke in die Produktion gibt die parallel veranstaltete Intertool (Fachmesse für industrielle Fertigung). Smart Automation Austria und C4I finden in der Messe Wien vom 15. bis 17. Mai 2018 statt. Die Intertool hält ihre Tore einen Tag länger, vom 15. bis 18. Mai 2018, offen. (+++)

*) Bei allen personenbezogenen Bezeichnungen gilt die gewählte Form in Ausführung des Art. 7 B-VG auf Frauen und Männer in gleicher Weise.

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